Auf der Suche nach dem Existenziellen

Gerard Waskievitz
Zeitraum
18. November 2023 bis 07. Januar 2024
Eröffnung
Samstag, 18. November 2023, 17.00 Uhr
Gerard Waskievitz Liegende, 2013

Auf der Suche nach dem Existenziellen
Die Kunst von Waskievitz ahmt Realität nicht einfach nach, sondern hinterfragt stattdessen, was eigentlich Realität bedeutet. Es ist eine intelligente Art zu zeigen, dass es in der zeitgenössischen Kunst längst nicht mehr um das reine Abbilden geht, sondern die Kunst davon lebt, das Existenzielle in den Kompositionen zu suchen. Er schafft es Figuren als Menschen darzustellen und sie nicht nur als seine Motive zu nutzen.
Die Werke besitzen einen tiefen Realismus, der in konkreten Erlebnissen und Menschen verwurzelt ist. Es gelingt dem Künstler mit deutlichen Pinselstrichen, dunklen erdigen Farbtönen und grell leuchtenden Farbkontrasten seinen Bildern eine seelische Tiefe zu verleihen, die im Kontrast zu unserer vom Makellosen faszinierten Gesellschaft steht, die uns Dank sozialer Medien Perfektion und Schein vorgaukelt. Dabei besteht das menschliche Leben, wie wir alle eindrücklich in jüngster Vergangenheit erlebt haben, aus Kontrasten und nicht aus Weichzeichnung. Gerard Waskievitz’ Suche nach dem Existenziellen führt uns zu interessanten Blickweisen, interessanten Geschichten und ist vor allem eine Art Bildarchiv der Gegenwart.

Die Motive von Gerard Waskievitz sind oft geheimnisvoll: die gezeigten Landschaften verwehren sich bloße Landschaften zu sein und sind stattdessen mit einer mythischen Aura aufgeladen; die Menschen zeigen sich nicht als reine Figuren, sondern als Personen mit gelebten Geschichten; Gerard Waskievitz verwandelt Alltägliches, manchmal Skurriles, in prachtvolle surreale Kompositionen und vermischt existenzielle Themen aus der Berliner Großstadt mit bekannten Sujets aus der Kunstgeschichte. Gerade in der Überlagerung von Stadtleben und existenziellen Themen zeigt sich die grosse Fähigkeit von Waskievitz, das Alltägliche mit dem Mythischen zu verbinden. Die Kunst befreit sich aus ihrem vermeintlichen Elfenbeinturm und scheut den Dialog hier nicht.
Die Werke des Berliner Künstlers schaffen gekonnt einen Spagat zwischen Fern- und Nahsicht und konfrontieren den Betrachter damit, seinen eigenen Standpunkt immer wieder zu wechseln. Die Bilder verweigern sich en passant leicht konsumierbar zu sein, im Gegenteil, sie brechen das Verhalten der einfachen Bildkonsumation und erinnert uns daran, dass gute Kunst von fundierter Kontemplation geprägt ist, und wir auch in der heutigen Schnelllebigkeit, Zeit für profunde Aussagen zulassen müssen.
Immer wieder sehen wir auf der Leinwand wie Farbe wieder abgetragen wurde, Details ausgestrichen oder übermalt wurden und eine weitere Schicht eine andere unkenntlich macht. Abstraktes trifft auf Gegenständliches und bildet Leerstellen, Zwischenräume entstehen. Der Künstler gibt uns Eckpfeiler eines Kontextes und erzeugt dabei narrative Elastizität, die dafür sorgt, dass jeder Betrachter die Leerstellen mit ihm Bekanntem füllen kann. Die Bilder von Waskievitz werden so zu einem Angebot an den Betrachter, Sujets durch die eigene Erfahrungswelt zu interpretieren.
Anabel Roque Rodríguez, Kunsthistorikerin und Kuratorin

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